Korrosion an Benzintanks

Mancher erinnert sich noch an den »dicken Hund« in der letzten Maiausgabe der Oldtimerzeitschrift »Markt«. Es ging da um durchgerostete Benzintanks, hervorgerufen durch die heutigen aggressiven Otto-Kraftstoffe, besonders das Super-Plus-Benzin.
Winfried Seidel berichtete bereits vor einigen Jahren davon. Verstärkten Rostbefall an Stahlblech-Benzintanks konnte ich bislang nicht feststellen, obwohl ich schon seit Erscheinen des Super-Plus-Kraftstoffs Anfang 1989 diesen in meinem Mercedes-Benz 220 W187 fahre. Mit Wegfall des verbleiten Superbenzins sind die meisten Mercedesfahrzeuge seit Mitte der fünfziger auf diesen 98-Oktan-Super-Plus-Kraftstoff angewiesen. Erst die 
Katalysatormotoren ab den achtziger Jahren sind auf  95-oktaniges Superbenzin ausgelegt. Die früheren Mercedesfahrzeuge sind aber nach Zurückstellen der Zündung ebenfalls damit zu betreiben.
Der »dicke Hund« in der Markt hat mir aber doch keine Ruhe gelassen. Ich schrieb an die Firma Liqui Moly GmbH in Ulm, ein anerkannter Hersteller von Zusatzmitteln für Betriebsstoffe. Eine Kopie des Marktartikels legte ich bei. Nach einer Woche bekam ich Antwort. Man empfahl mir für alle Ottomotoren das Benzinadditiv »mtx-Vergaserreiniger«, Artikel Nr. 5100. Laut eigenen Angaben soll es eine aschefreie Wirkstoffkombination mit reinigenden und dispergierenden Eigenschaften sein, das trotzdem mit Langzeitwirkung Korrosionsschutz im gesamten Kraftstoffsystem gewährleisten soll. Bei steter Anwendung soll dem Kraftstoff dieses Mittel zu 0,3 bis 0,5 Prozent zugegeben werden. Zur Stillegung von Motoren soll auch 1% Zusatz nicht schaden.
Seit Herbst fahre ich dieses Mittel in meinem 220 W187. Zuerst habe ich den Tank fast leer gefahren. Nach Lösen der Ablaßschraube ließ ich den restlichen Kraftstoff ab. Es trat klarer Kraftstoff heraus, vermischt mit etwas Sand. Dann demontierte ich den Tankgeber und leuchtete mit einer Taschenlampe und einem kleinen Spiegel soweit es ging den Tank aus. Ich konnte nirgendwo Rost entdecken, der sich in Tanks meist im oberen Bereich bildet. Wenn ich großflächigen Rost gesehen hätte, hätte ich den Tank ausgebaut und mit den heute dafür erhältlichen Mitteln gereinigt und neu konserviert. Vielleicht hat es sich ausgezahlt, daß ich mein Fahrzeug schon immer mit randvollem Tank wegstellte. So kann weniger Kondenswasser entstehen, das in einem Hohlraum durch Temperaturunterschiede bekanntlich zu Rostbefall führt. Bei Liqui Moly sagte man mir, daß sich Rost im Tank nur in Verbindung mit Wasser und Sauerstoff bildet.
Auch früher gab es schon verrostete und auch durchgerostete Tanks. Das ist durchaus kein neues Problem. Das heute im Kraftstoff nicht mehr vorhandene Bleitetraäthyl gab aber einen gewissen Korrosionsschutz. Offenbar tritt Korrosion bei den heutigen aggressiveren Kraftstoffen aber verstärkt auf. Ich bin kein Chemiker und weiß daher nicht, ob das von Liqui Moly genannte Produkt wirklichen Korrosionsschutz bietet. Ich werde aber sicher nichts verkehrt machen, wenn ich ein 300-ml-Fläschchen für 10,- DM jeder Tankfüllung zusetze.
Vielleicht sollte man sich bei Mercedes-Benz einmal dazu äußern. Dort werden über 800 Veteranenfahrzeuge betriebsbereit gehalten. Es wäre ein Leichtes für die Versuchsabteilung dieses großen Konzerns, Korrosionsschutzmittel für Benzintanks zu testen. Denn Mercedes-Benz Personenwagen haben auch heute noch Stahlblechtanks.

Helmut Baaden