Historie

Roter W124 unterwegs

Einführung

Die Baureihe (BR) W124 löste nach ca 8 Jahren die Baureihe 123 ab. Optisch übernahm er einige Features des kleinen Bruders W 201 (190er). Trotzdem war er optisch und technisch eigenständig. Von der Ferne war er von diesem schlecht zu unterscheiden. Die Motoren waren bis auf die Ausnahme der 4-Zylinder-Benzinmotoren Neuentwicklungen. Aufgrund verbesserter Aerodynamik und leichter Werkstoffe wurde das Gewicht des 124 im Vergleich zur Vorgängerbaureihe wesentlich reduziert, ohne jedoch deshalb unsicherer zu sein. Im Gegenteil. Dadurch war der Kraftstoffverbrauch geringer, obwohl die Leistung besser war. Während der Produktion flossen einige technische Neuerungen in die Serie ein, da sind zum Beispiel das Automatische Sperrdifferenzial, der Allradantrieb 4-Matic und einiges mehr. Am markantesten waren der Einhubscheibenwischer und die Raumlenkerhinterachse, wie sie schon bei der BR 201 eingesetzt wurde. Im September 1989 erfolgte die erste Modellpflege, MOPF1 genannt. Die Karosserie erhielt Flankenschutzleisten mit integrierten Längsschwellerleisten, sogenannte Sacco-Planken. Darauf angebracht waren Zierleisten aus Chrom sie sich an den Stossfängern weiter fortsetzte. Die Aussenspiegel wurden in Wagenfarbe lackiert und die Türgriffe erhielten ebenfalls Zierleisten aus Chrom. Der 124 wurde insgesamt aufgewertet, auch im Innenraum. Erstmals war ein Sportpaket "Sportline" lieferbar. Darin enthalten war  Tieferlegung und Sportfelgen. Im Gegensatz zu den 123-Modellen konnte von aussen nicht sofort sichtbar die Motorisierung erkannt werden, wenn die Typbeschriftung am Kofferdeckel fehlte. Ausnahmen bei stärkeren Modellen bildete der Doppelrohrauspuff und beim 500 E die ausgestellten Kotflügel.

1993 erfolgte dann die 2. Modellpflege MOPF2. Der Stern wurde auf die Motorhaube verlagert  und ein Plakettenkühlermaske eingebaut. Die Blinkleuchten waren nun weiss anstatt gelb und auch der Innenraum erhielt einige Modifikationen. Aus der "Mittleren Klasse" wurde die E-Klasse und im Typenschild stand das E vorne. Ab Mitte 1995 kam die Baureihe 210 und löste den 124 nach und nach ab.

Innenraum

Miittelkonsole mit zahlreichen Optionen

Der Innenraum enthielt nun auch bei den 4-Zylinder-Modellen Holzimitationen aus Zebranoholz, auf Wunsch auch Wurzelholz,  am Armaturenbrett, den Türbelägen und in der Mittelkonsole. Die Anordnung der Schalter und Hebel entsprach in etwa den Vorgängermodellen. Dadurch fand man sich auch dort wieder recht schnell zurecht.

Die Aufpreisliste war wieder wie gewohnt lang. Die Heizung erhielt nun eine elektrische Steuerung, wobei das Heizungsventil nicht mehr per Zug sondern über ein elektrisches Duoventil angesteuert wurde. Auch hier war die Heizung für jede Seite separat reglbar. Auf Wunsch war eine Klimaanlage, auf besonderen Wunsch auch eine Klimaautomatik lieferbar.

Die Feststellbremse war wieder als Fussbremse ausgeführt und nicht wie beim 201er mittels Handbremshebel. Das Lenkrad liess sich elektrisch axial verstellen und die Sitze erhielten ein besser gepolstertes Innenleben. Zudem war die Kopfstütze nun mittels eines Verstellrades in der Höhe verstellbar. Die hinteren Nackenstützen konnten gegen Aufpreis von vorne mittels Schalter umgelegt werden, mussten jedoch von Hand wieder in ihre Position gebracht werden.

Bei den T-Modellen war die Rücklehne getrennt umklappbar. Die Coupe und Cabrio Modelle hatten einen Gurtbringer und bei den Cabrios fuhren die Kopfstützen hinten bei einem Überschlag schlagartig aus um die Insassen zu schützen.

 

Edles Wurzelholz-Armaturenbrett im 124

 

 

Fahrwerk und Bremsen

Das Fahrwerk wurde komplett überarbeitet und an die Baureihe 201 angelehnt. Hinten versieht nun die Raumlenkerhinterachse ihren Dienst, die durch 5 Lenker pro Seite das Fahrzeug noch stabiler und sicherer abrollen lassen soll. Auf Wunsch und später, ab 1987, in Serie war ABS und etwas später auch ASR lieferbar. Als Neuerung kamen das Automatische Sperrdifferenzial (ASD) und das elektronisch gesteuerte Allradsystem 4-Matic gegen Aufpreis lieferbar. Die Vorderachse hatte Einzelradaufhängung. Das Hinterachsdifferenzial wurde mit Gummis verschraubt um Geräusche zu mildern.

Sicherheit

Die Fahrzeuge wurden durch den Leichtbau nicht nur sparsamer, sondern durch neue Erkenntnisse auch wesentlich sicherer. Airbags waren erst auf Wunsch und ab 1992 auch ab Serie lieferbar, zusätzlich dazu auch der Beifahrerairbag. Die Pedalerie war an einen verformbaren Lagertopf befestigt.

Motoren

Motor im 260E

Ausgeliefert wurden die 124-Modelle anfangs mit den Dieselvarianten 200 D, 250 D und 300 D (4-, 5-, 6-Zylinder) sowie mit den Benzinervarianten 200, 230 E (4-Zylinder) und 260 E, 300 E (6-Zylinder). Italien bekam aus steuerlichen Gründen noch den 200 E. Die Vierzylinder-Benzinmotoren wurden vom Vorgänger übernommen. Die Diesel- und 6-Zylinder-Benzin-Motoren waren Neuentwicklungen und der 200 D tat in abgewandelter Form in der BR 201 schon seinen Dienst. Bei den Dieselmotoren war der Kolben und Hubraum eines einzelnen Zylinders jeweils gleich und die Hubraumerweiterung wurde durch die Erhöhung der Zylinderanzahl verwirklicht. Alle Benziner wurden noch ohne Katalysator ausgeliefert als so genannte Rückrüstfahrzeuge (RÜF), dass heisst sie waren für einen Betrieb mit einem Katalysator vorbereitet und konnten problemlos nachgerüstet werden. Der 200 mit Vergaser leistete 109 PS ohne und 105 PS mit Katalysator, der 200 E für Italien und später auch für den deutschen Markt leistete 122 PS und stammte aus der Baureihe 201 (190E). Der 230 E leistete ohne Kat 136 PS und mit 132 PS. Die neuen Sechszylindermotoren der Motorenreihe M 103 basierten auf dem M 102 und hatten einiges mit ihnen gemeinsam, waren aber trotzdem Neukonstruktionen. Der 260 E leistete 166 PS ohne, und 160 PS mit Katalysator, der 300 E hatte 180 PS mit und als scharfe ECE-Version kurzzeitig 190 PS, und als RÜF-Version 188 PS.  Der 300 E löste somit den 280 E als Spitzenversion ab. Der 200 D war baugleich mit dem 190 D und leistete 72 PS. Die Hubraumunterschiede zu den grösseren Dieselmotoren kamen durch das Hinzufügen von zusätzlichen Zylindern zustande. Der 250 D hatte 5 Zylinder und leistete 90 PS. Der Spitzenreiter unter den Dieseln war schliesslich der 300 D mit nun 6 Zylindern und 109 PS. Alle Dieselmotoren waren bei teilweise gleicher PS Zahl wie der Vorgänger wesentlich spritziger. Der Export bekam wieder einen 300 D mit Turbolader und 145 PS. Der 300 D turbo wurde in Deutschland im T-Modell verbaut, wobei dann der 3.0 l Saugdiesel entfiel. Alle anderen Motoren waren auch im T-Modell lieferbar. Ausnahme bildeten dabei der 300 D und der 260 E.

Ab 1989 kam noch der 300 E-24V dazu. Es bildete die Basis zur neuen Motorengeneration M 104 und leistete 220 PS. Später wurde daraus der 320 E. Zum M 104 gesellte sich der 280 E mit 193, bzw 197 PS. Auch die Freunde des Achtzylinders kamen nicht zu kurz. 1991 kamen die Wölfe im Schafspelz-der 400 E mit 286 PS und später als 420 E mit 279 PS und der 500 E mit 326 PS und als E 500 mit 320 PS. Und wer das Ganze auf die Spitze treiben wollte konnte noch einen AMG E 60 mit 381 PS bekommen.

Ab 1992 wurden auch die 4-Zylinder gegen eine völlig neue Motorgeneration ausgetauscht. Die Motorbaureihe M 111 war eine völlige Neuentwicklung und hatte einen 4-Ventil-Zylinderkopf. Der 200 E hatte nun 136 PS und der 220 E 150 PS. Der 200 E und 230 E M 102 verschwanden somit.

Karosserieversionen

W124-er Karosserieversione

Von der Baureihe 124 gab es zahlreiche Karosserievarianten bereits ab Werk: die Limousine (W 124) wurde ab Dezember 1984 ausgeliefert.  Das T-Modell (S 124) kam im September 1985 auf den Markt und erhielt als Besonderheit eine elektrische Zuziehhilfe für die Heckklappe. Dabei legte man die Heckklappe leicht ins Schloss: diese wurde dann mittels eines Motors in die Endstellung gezogen. Ab September 1986 wurden wieder Fahrgestelle (F 124) als "halbfertige" Karosserien in zwei verschiedenen Radständen geliefert. Die hierauf spezialisierten Aufbauhersteller fertigten auf dieser Basis ihre Krankenwagen, Bestatter- und andere Sonderfahrzeuge. Ab März 1987 wurde die Palette durch ein Coupé (C 124) ergänzt. Dieses formschöne Fahrzeug hatte rahmenlose Scheiben, die fast komplett versenkt werden konnten. Auch hier fehlte wieder die B-Säule. Der Gurt wurde wegen dieser fehlenden Befestigungsmöglichkeit mit einem Gurtbringer von hinten nach vorne angereicht. Ab September 1989 wurde das Limousinenangebot um die verlängerte Version mit langem Radstand (V 124) ergänzt. Sie bot nun in drei Sitzreihen je nach Ausstattung 6 & 8 Passagieren Platz und wurde gerne im Hotelzubringer- und Taxibetrieb eingesetzt. Im September 1991 wurde das Cabriolet (A 124) auf der IAA vorgestellt. Es wurde vorerst ausschließlich mit dem 3.0 l 24 Ventil-Motor ausgeliefert. Erst ab MOPF2 im Jahr 1993 bekam das Cabriolet auch die kleineren Motoren.

Die Baureihe 124 wurde ab 1995 Zug um Zug durch die Nachfolger-Baureihe 210 ersetzt. Das Cabriolet wurde noch bis 1997 gebaut, ehe es vom CLK-Cabriolet  der eigenen BR 208 ersetzt wurde. Erst 2010 gab es auch von der E-Klasse wieder ein Cabriolet.