Historie

Entstehung

Kurz nach Vorstellung des W114/W115 gingen die Vorbereitungen zum Nachfolger los. Der Neue erhielt das Kürzel W123 und sollte als Limousine, Coupe und erstmalig als Serien-Kombi gebaut werden.

Die optische Linie orientierte sich dabei an den /8. Die Scheinwerfer wurden nun waagrecht anstelle hochkant eingebaut. Die kleinen Modelle erhielten bis 1982 Scheinwerfer mit runden Reflektoren (Rundscheinwerfer) und die Modelle 280, 280E/TE und alle Coupes erhielten Breitbandscheinwerfer.  Technisch wurden von der Vorgängerbaureihe die überarbeiteten Motoren und von der S-Klasse die Vorderachse übernommen. Ab 1980 war auch ABS lieferbar. Der Fahrerairbag folgte kurz danach.

Innenraum

Innenraum W123

Der Innenraum unterschied sich vom Vorgänger wesentlich. Das Armaturenbrett war grösser und die Instrumente übersichtlicher. Die Kontrollampen waren in einer Leuchtleiste unterhalb vom Kombiinstrument angebracht. Die Lenksäule war nun mit einem Wellrohr versehen um im Falle eines Unfalles kontrolliert wegzuknicken. Zudem war ab 1980 auch Airbag lieferbar, ab 1982 auch auf der Beifahrerseite. Die Mittelkonsole enthielt auf ihren oberen Rand eine Schalterleiste für Sonderausstattungen. Der Warnblinkschalter saß hinter dem Schalthebel, bzw Wählhebel. Ab 1980 als normaler Kippschalter. Die Mittelkonsole war seitlich mit Teppich verkleidet und das Armaturenbrett mit Zebranoholz oder in höherer Ausstattung mit Wurzelholz. Der Lichtschalter und der Zugknopf für die Feststellbremse waren wie gewohnt links neben dem Lenkrad angebracht. Nun auch mit Scheinwerferhöhenverstellung. Der Wählhebel am Lenkrad war nur bei Automatikfahrzeug auf Wunsch vorhanden, für Schaltwagen ausschliesslich nur in der Mittelkonsole. Die 123-Modelle machten vom Start weg eine wohnlichen Eindruck der sich auch im Fahrverhalten zeigte. Das Reisen im W123 war sehr komfortabel.

Fahrwerk und Bremsen

Die Hinterachse wurde mit wenigen Änderungen vom Vorgänger übernommen. Die Einzelradaufhängung für die Vorderachse wurde von der S-Klasse übernommen und löste den Fahrschemel ab. Dieses führte zu einem noch besseren Fahrverhalten. Die Bremsanlage war mit 4 Scheibenbremsen, bei den grossen Modellen mit innenbelüfteten Scheibenbremsen, und einer in der hinteren Scheibenbremse liegenden Feststellbremse ausgerüstet. Die Betätigung der Feststellbremse geschah dabei wie gewohnt über ein zusätzliches Fusspedal. Ab 1980 war ein Antiblockiersystem gegen Aufpreis lieferbar.

Getriebe und Lenkung

Auch der W123 war von Anfang an mit Automatikgetriebe und 4-Gang-Schaltgetriebe lieferbar.  Erst ab 1981 war auch ein 5-Gang-Schaltgetriebe gegen Aufpreis erhältlich. Der Wähl- oder Schalthebel sitzen in der Mittelkonsole. Nur bei Automatikfahrzeugen war auf Wunsch auch der Einbau des Wählhebels an der Lenksäule möglich. Die kleinen Modelle erhielten Servolenkung gegen Aufpreis. Erst ab 1982 wurden auch die kleinen Modelle serienmässig mit Servolenkung ausgestattet.

Motoren

Motor im Schnitt

Die W123 wurden anfangs mit modernisierten Motoren der Vorgänger ausgeliefert. Als Diesel kamen der 200D mit anfangs 55PS und ab 1979 mit 60 PS, der 220D mit 60 PS und wurde 1979 vom 200D abgelöst, der 240 D mit anfangs 65 PS und ebenfalls ab 79 mit 72 PS. Ab 1977 wurde der 240 D mit Schlüsselstart anstelle des Zuganlassschalters ausgestattet. Der 200 D und 220 D behielten den Zuganlassschalter. Als Spitzenmodell bei den Dieselfahrzeugen kam dann noch der 300D mit erst 80 und ab 1979 mit 88PS und im T-Modell, bzw für den US-Markt als 300TD turbo mit 123 bzw 125 PS. Der 300 D wurde von anfang an als Schlüsselstarter konzipiert.

Die Benzinmodelle fingen mit dem 200 / M115 mit 95 PS an, 230 / M115 mit 109PS, der 250 / M123 Vergaser mit 129 bzw ab 79 mit 140 PS und der 280 / M110 Vergaser mit 156 PS. Spitzenmodell war der 280 E / M110 mit K-Jetronic Einspritzung und 177, bzw ab 78 mit 185 PS.

Abgelöst wurden die 200 / M115 und 230 / M115 1980 durch die neue Motorgeneration M102 mit 109 PS Vergaser und 230 E / M102 mit K-Jetronic Einspritzmotor und 136 PS. Der 230 E wurde aufgrund seines Preis/Leistungsverhältnissen und guten Verbrauchswerten der beliebteste Benziner.

Karosserieversionen

W123 Modellpalette

Die W123 wurden von Anfang an in 3 Versionen geliefert. Als 4-türige Limousinen, 2-türiges Coupe und erstmals auch als Kombi das T-Modell. Zwar wurden zur Heckflossenzeit schon Kombis von Mercedes geliefert, jedoch nur als Sonderumbau ab Werk. Das T-Modell lief jedoch direkt als Serienmodell vom Band.

T-Modell: ab 1977 begann der Serienanlauf des T-Modells, wobei das T für Transport und Touristik stand. Das T-Modell lief im Bremen vom Band und bekam grösstenteils die gleichen Motoren wie die Limousinen, mit Ausnahme der des 200 M115 der als zu schwach angesehen wurde und der 200D/220D. Eine zusätzliche Ausnahme war der 300D mit Turbolader der ausschliesslich ( auf dem deutschen Markt) dem T-Modell vorbehalten war. Um das erhöhte Gewicht sicher tragen zu können bekamen die T-Modelle Niveauregulierung serienmässig verbaut. Anfangs gab es die Dachreling nur gegen Aufpreis.

Das Coupe war in Deutschland  nur als Benziner erhältlich. Verbaut wurden die Motoren 230 / M115, später der 230E M102 und der 280 und 280E Motor. Auch der Vierzylinder wurde von anfang mit Breitbandscheinwerfer und etwas gehobener Innenausstattung ausgeliefert. Die Vordersitze wurden wie beim Vorgänger über Unterdruck verriegelt.

Vom 123 waren Langversionen erhältlich, allerdings nur mit 250, 240 D und 300 D. Sie wurden als Hotelzubringer, Taxis oder Chauffeurdienste genutzt und sind heute noch als Taxis im Nahen Osten beliebt.

Auch vom 123 gab es  halbfertige Karosserien für den Umbau als Krankenwagen usw.

 

W123 in Langversion als Hotelzubringe

Unterschiede in der Serie

Serie 0.5: 11/1975–08/1976
Serie 1.0: 08/1976–07/1979
Serie 2.0: 08/1979–07/1982
Serie 3.0: 09/1982–01/1986

0.5 Serienfahrzeuge sind sehr selten und nur minimal von Serie 1 Fahrzeugen zu unterscheiden. Durch Aufbrauch von Beständen ergibt sich teilweise ein Serienmix.

Merkmale der zweiten Serie (August 1979)

kleineres Lenkrad (10 mm) in eleganterem Design
modernere Kippschalter (Warnblinker, Fensterheber etc.)
pneumatische Leuchtweitenregulierung
geänderte Gurtschlösser und kleinere Kopfstützen
neue Stoffmuster für die Sitze

Änderungen der dritten Serie (September 1982)

Rechteckscheinwerfer und Servolenkung serienmäßig
ausgeformte Vordersitzlehnen für mehr Kniefreiheit im Fond
Stoffeinsatz in den Türverkleidungen
neue Stoffmuster und Sitze komplett mit Stoff bezogen (keine Kunstlederwangen mehr) weniger Windgeräusche durch verbesserte Dachzierleisten
Chromlüftungsgitter entfallen

 

 

W123 mit verschiedenen Scheinwerfern, links die Breitbandscheinwerfer und rechts die Rundscheinwerfer der kleinen Modelle bis 1982

Kaufberatung

Zum Schluss eine kleine Kaufberatung:

Motoren:

die Motoren sind robust und bieten eine hohe Laufleistung. Hier sollte man auf starke Verölung, Klappergeräusche und bei geöffneten Öleinfülldeckel auf starke Rauchbildung (auch am Auspuff hinten!) achten. Beim M102 sollten die Ölwechsel regelmässig gemacht worden sein und die Steuerkette nach 200000km getauscht worden sein. Zudem bilden sich dort Risse im Abgaskrümmer. Bei Einspritzmotoren kann sägender Lerlauf über undichte Schläuche entstehen. Bei Stromberg-Vergasern den Ölstand im Vergaser prüfen, teilweise sind auch die Membrane gerissen was zu qualmen oder Leistungsproblemen führen kann.  Der Grossteil der Benzinmotoren kann mit einem G-Kat nachgerüstet werden (Ausnahme 250 und 280 Vergaser). Bei den Dieselfahrzeugen sind Nachrüstungen von Partikelfilter in Arbeit.

Karosserie:

an der Karosserie sind einige Schwachstellen vorhanden. Zu starke Roststellen oder Durchrostungen bedeuten meistens das Aus für den 123 und dieser ist nur noch als Teileträger zu gebrauchen.

Die typischen Stellen sind: Schweller und Schwellerspitzen (auch innen schauen!), Unterbodenblech (meist noch vom Unterbodenschutz gehalten), Längsträger und das Frontblech speziell unter den Scheinwerfern und unter der Stosstange. Kotflügel und Radhäuser, besonders hinten. Übergänge Radhaus hinten zum Schweller. Die Abläufe des Schiebedaches sollten frei sein und unter den Scheibendichtungen alles rostfrei sein. Türen und Kofferraum seitlich beachten.

Getriebe:

die Schaltgetriebe halten lang, Kratzen deuten auf verschlissene Synchronringe. Bei den Automatikgetriebe sollte das Öl rot sein und nicht stinken, zudem die Ölwechsel durchgeführt worden sein.

Technik allgemein:

die Kupplungszylinder sollten dicht sein, ansonsten läuft Bremsflüssigkeit in den Innenraum und zerstört dort das Blech. Alle Schalter und Hebel auf Funktion prüfen und auch die Feststellbremse und Kupplung testen. Wenn die Zentralverriegelung nicht funktioniert ist meistens einer der Stelleinheiten in den Türen oder Klappen defekt. Schiebedach ausprobieren und die Dichtungen und Rahmen anschauen. Eine vorhandene Klimaanlage sollte ebenfalls funktionieren, speziell Reparaturen an der Klimaautomatik gehen ins Geld.

Innenausstattung:

verschlissene Innenausstattungen sind je nach Farbe und Material nur schwer zu ersetzen. Daher sollten diese in Ordnung sein. Die Armaturenbretter (spezielle blaue) bilden Risse.

 

Wenn möglich sollte jemand mit Erfahrung und Ahnung von Autos bei einer Besichtigung teilnehmen.