Entwicklung

Einführung

Mit der Vorstellung eines neuen Modells geht einige Zeit der Entwicklung vorbei. Die wenigsten jedoch fragen sich wie überhaupt ein Auto entsteht. Angefangen von der Idee  bis zur Fertigstellung und Abschlusstests. Das möchte ich nun hier darstellen anhand der Baureihe 123. Selbstverständlich geht die Entwicklung auch nach der Premiere noch weiter. Es werden Verbesserungen eingepflegt, neue Motoren vorgestellt oder auch später ein sogenanntes Facelift, eine optische Änderung. Zudem ergeben sich während der Bauzeit einige Erkenntnisse und Fehler welche korrigiert und angepasst werden.

Die Idee eines neuen Modells und Beginn der Planung

Im Jahr 1971 an einen schönen Vorfrühlingstag trifft sich der Vorstand um den Bau eines neuen Modells zu beschliessen. Der Vorstand besteht zu dieser Zeit aus folgenden Ressorts:

Vorsitz und Finanzen
Verkauf Ausland
Materialbereich
Produktion PKW
Produktion Nutzfahrzeuge
Entwicklung
Zentalverwaltung
Verkauf Inland
Öffentlichkeitsarbeit

Schon bei der Festlegung muss die finanzielle Planung berücksichtigt werden. Dazu gehören sowohl die Entwicklungskosten als auch die Kosten für Produktionsvorbereitung und natürlich auch Produktion. Ein Modell, welches sich nicht verkaufen lässt, kann einen Fabrikanten schnell in rote Zahlen bringen.

Es wird ein Anforderungskatalog erstellt mit den Eigenschaften die das neue Modell haben soll erstellt. Das sogenannte Lastenheft.

Das Lastenheft

Der W123 wird von nun ab bis zur Vorstellung von einem Lastenheft begleitet. Dab wird auch der Tag der Vorstellung festgelegt. Dieses ist wichtig für die Planung und Entwicklung und jeder der daran beteiligt ist muss sich daran orientieren. Jede unnötige Zeitverzögerung verteuert das Projekt.

Die Entwicklungsabteilungen haben nun viel zu tun. Es wird geprüft welche Komponenten das neue Modell bekommt, welche Motoren verbaut werden und ob vorhandene Aggregate verwendet werden können oder etwas neu entwickelt werden muss.

Im Ressort Organisation und Planung wird heiss diskutiert. Der Finanzbedarf und Finanzierung muss geplant werden. Es wird geschaut ob neu gebaut oder vorhandenes verwendet werden kann. Der Personal- und Anlagenbedarf muss genau kalkuliert werden.

Währenddessen sind die Stilisten (Designer) am Werk und entwerfen die ersten Zeichnungen. Dabei muss die Fahrzeuggrösse, die verbauten Komponenten und vieles mehr berücksichtigt werden. Ausserdem darf die Optik nicht schon zum Zeitpunkt des Erscheinens alt und unmodern wirken. Schliesslich dauert es noch einige Zeit bis zur Vorstellung.

Da das Auto einerseits schön wirken soll, aber auch sicher sein muss und die Technik ihren Platz benötigt ist auch beim Design immer ein wenig Kompromiss nötig. Zudem fordern Sicherheit und Aerodynamik das ihrige.

Zu diesen Zeitpunkt wird in den erdölproduzierenden Ländern das Öl abgedreht. Der 123 steht unter einem ungünstigen Stern. Möchte überhaupt noch jemand ein so grosses Auto? Werden noch genügt Käufer gefunden? Das Sonntagsfahrverbot und Tempolimit werden eingeführt. Dabei sind die Öltanks der Ölfirmen voll!

Ab 16 Dezember 1973 wurde der Sonntagsfahrverbot aufgehoben und das Benzin künstlich verteuert. Derweil wird der 123 weiterentwickelt. Es darf trotzdem nicht zum Stillstand kommen.

Das Projekt 123 nimmt Gestalt an

Das Tonmodell vom W123 entsteht

Die endgültige Form wurde vom Vorstand begutachtet und festgelegt. Die Fertigungsfachleute begutachten das Modell und planen die kostengünstigte Herstellung.

Dabei werden auch vorhandene Anlagen berücksichtigt. Als nächstes erfolgt das Abtasten der Aussenform und die Fertigung einzelner Teile. Parallel dazu erfolgt die Herstellung des Urmodells und Abtastung der verwendeten Teile. Diese dienen als Muster für die Werkzeuge und Pressen. 

Die Prototypen werden gefertigt und in alle Welt versendet um Probeläufe durchzuführen. Hierbei werden Fahrtests und Funktionsprüfungen durchgeführt, die im Werk nicht möglich waren um das neue Modell auf alle Möglichkeiten vorzubereiten und Bauteile auf Zuverlässigkeit zu testen.

Im Werk werden Angebote von Zulieferfirmen eingeholt, Blechteile und Presswerkzeuge gefertigt, Maschinen und Fertigungsbänder gebaut, bzw vorbereitet.

Viele Teile werden von Zulieferfirmen bestellt und direkt am Band verbaut, einiges jedoch auch im Werk selber hergestellt.

 

Das Herz des Automobiles

In der Motorenentwicklung werden die Motoren und Aggregate für alle Modelle entwickelt und für die einzelnen Modelle angepasst. Dabei müssen auch die gesetzlichen Bestimmungen verschiedener Länder beachtet werden. Dazu werden die Motoren auf Prüfständen gebaut und Langzeittests unterworfen. Dabei drehen sie mit verschiedenen Drehzahlen und Lasten. Die dabei gewonnenen Daten dienen zur Optimierung. Zur Prüfung auf der Strasse werden sie in vorhandene Modelle oder auch in Prototypen eingebaut und im normalen Betrieb getestet.

Crashtest

Um die Sicherheit der Insassen zu gewährleistung und die Zulassungsbestimmungen einzelner Länder, bzw Regionen einzuhalten werden die Modelle gegen ein Hinderniss gefahren. Danach wird ihre Crashsicherheit bewertet und wo nötig optimiert.

 

Pilotserie

Nach dem die Entwicklung der 123 ihren Ende zugeht und der Tag der Vorstellung naht, wird die Pilotserie, auch Vorserie genannt,aufgelegt. Die Fahrzeuge werden nach einer Einweisung per Video und natura am Band gefertigt. Dabei lernen die Arbeiter am Band wie sie welches Teil einzubauen haben und was beachtet werden muss. Die Qualität am Bandende wird bewertet und wo nötig nachgebessert. Die Maschinen werden nachjustiert und die Passgenauigkeit der Bauteile und des fertigen Fahrzeuges geprüft. Wenn alles korrekt funktioniert, geht es langsam über in die Serienfertigung.

Die Fahrzeuge der Vorserie werden als Pressefahrzeuge, für Fototermine zur Erstellung von Prospekten und für die interne Erprobung, bzw. Verwendung genommen.

 

Der grosse Tag - Vorstellung

Nun ist der grosse Tag. Das neue Modell wird der Presse vorgestellt. Diese wird in der Regel an schönen Orten im Ausland durchgeführt. Nach der Vorstellung durch den Vorstand bekommen die Presseleute Gelegenheit das Fahrzeug zu fahren. Es stehen zu diesen Zweck alle Modelle bereit, damit sich die Presse ein ausgiebiges Urteil darüber machen kann.

Nachtrag:

Doch auch nach der Vorstellung herrscht kein Stillstand in der Entwicklung. Während die eine Abteilung mit der Entwicklung eines anderen Modelles beschäftigt ist, werden vorhandene Modelle optimiert und technische Verbesserungen erprobt. Die Motorenentwicklung schaut immer nach neuen technischen Möglichkeiten und Einbau in vorhandene Modelle.

Heutzutage wird die Entwicklung durch eine Vielzahl von Computern unterstützt. Dadurch kann das fertige Produkt noch vor Fertigstellung begutachtet und verbessert werden, ohne langwierige Tests durchführen zu müssen. Diese dienen nur noch zur Bestätigung der Berechnungen und für Zertifizierungen. Die Erprobungsfahrten rund um die Welt wird jedoch nach wie vor noch nötig um den Kunden ein zuverlässiges und ausgereiftes Fahrzeug in die Hand zu geben, mit dem er noch viele Jahre Freude haben wird.