Historie

Einführung

600 als Normalversion

Zur Tradition von Mercedes gehört es ein Fahrzeug für repräsentative Zwecke anzubieten, als Staatskarosse oder für Menschen im Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens wie Künstler und Schauspieler. Bis zum Erscheinen des 600 lag diese Aufgabe beim 300 Adenauer oder 770 K.

So erhielten die Ingenieure 1956 die Aufgabe eine neue Repräsentationslimousine zu entwickeln mit allem was gut und teuer ist. Es bestand keinerlei Einschränkung bei den Kosten. Das neue Fahrzeug sollte alle Konkurrenten in den Schatten stellen. Daraus folgte auch eine Neuentwicklung des Motors der nun 8 Zylinder erhielt und weit das doppelte an Hubraum aufwies als sein direkter Vorgänger 300d.

Die Karosserie sollte in 2 Radständen lieferbar sein und wurde als Limousine, verlängerte Limousine und als Landaulet, bei dem sich die hintere Dachhälfte wie bei einem Cabriolet öffnen liess, entwickelt. Es entstanden zudem 2 Coupes. Die Langversionen waren zudem mit 6 Türen lieferbar.

1962 liefen die ersten Fahrzeuge im Versuch. Der 600 wurde in Sindelfingen in Handarbeit von sehr erfahrenen Mitarbeitern hergestellt. Dabei betrug die Fertigung zwischen zehn Wochen für die kurze Limousine und bis zu einem halben Jahr beim Landaulet.

Der erste 600 ging zu einem amerikanischen Architekten. Obwohl der 600 als Staatslimousine geplant und gebaut war, wurde er von vielen Staaten nicht gekauft und auch die Bundesrepublik lieh sich den 600 bei Daimler zu Staatsanlässen aus. Der 600 stand in Zypern, Ghana, Kenia, Indonesien, Türkei und Rumänien in Staatsdiensten und auch Breschenjew gönnte sich einen. Der grosse Mao importierte direkt 11 Fahrzeuge! Marschall Tito von Jugoslawien und Präsident Bourghiba von Tunesien gönnten sich die Ladaulet-Version. Die Königshäuser von Belgien, Marokko und Thailad, das Fürstentum Lichtenstein und der Schah von Persien besaßen einen. Der Vatikan bekam eine Sonderversion mit einem Thron im hinteren Bereich. Aber auch Wirtschaftsmagnaten und Künstler waren von den Qualitäten dieser Fahrzeuge überzeugt, z.B. Oppenheimer Clan, Onassis, Bryan Forbes, Elvis Presley, Udo Jürgens und viele mehr.

Das stärkste Jahr seiner Produktion war das Jahr 1965 mit 408 Stück, davon 63 Langversionen. Ab 1973 ging es aufgrund des Energieschocks rapide mit den Stückzahlen nach unten. 1981 wurde die Produktion eingestellt und der W126 als Spitzenmodell mit dem 560 SEL  nahm nun den Rang des Spitzenautomobiles ein. Die 600 wurden als "neues Leitbild im internationalen Automobilbau" beworben und vom US-Magazin "Car & Driver" als das beste Auto der Welt bezeichnet.

Die Preisliste begann bei 56500 D-Mark für die Normalversion, 63500 D-Mark für die Langversion und das Landaulet bekam man für 50000 D-Mark über den Einstiegspreis der Langversion. Aufgrund der sehr langen Aufpreisliste und eigenen Wunschliste waren die Preise in utopischen Höhen zu treiben. Dafür bekam man neben einem Spitzenautomobil noch einiges an Spezialwerkzeug, wichtige Verschleissteile und einen 2-Tages-Kurs für die Fahrer.

 

 

Die Technik

Die Techniker bekamen bei der Entwicklung schon die Aufgabe alles nur Erdenkliche und technisch Mögliche in das Auto hineinzubauen.

Somit entstand ein Automobil in dem neueste und vor allem aufwendige Technik verbaut wurde. Angefangen vom neu entwickelten V8-Einspritzmotor mit 250 PS und 6.3 Liter Hubraum bis über die sehr aufwendige Luftfederung mit der es nicht nur möglich war sehr bequem, sondern bei Bedarf auch sportlich zu fahren und das bei einem Fahrzeug mit bis zu 3 Tonnen zulässigen Gesamtgewicht. Doch nun zu den einzelnen Technik Details:

Motor

6,3 Liter mit 250 PS, von 0 auf 100 in ca 10 Sekunden bei einem Verbrauch zwischen 25 - 30 Liter auf 100km Fahrstrecke. Da war der 112 Liter Tank schnell leer!

Der Motor M 100 bestand aus einem Graugussblock und hatte eine Verdichtung von 9.0 zu 1. Das Benzin-Luft-Gemisch kam über eine 8-Stempel Reiheneinspritzpumpe. Die Abgase wurden über eine Anlage mit 2 getrennten Rohren abgeführt.

Am Motor selber waren neben Kompressor für die Klimaanlage auch eine Hydraulikpumpe für die Zusatzfunktionen, ein Luftkompressor für die Luftfederung und Bremskraftunterstützung, 2 Generatoren für den Stromhaushalt (was aber bei verspielten Besitzern auch nicht ausreichte) angebracht. Gekühlt wurde der Motor mit 23 Liter Kühlwasser.

Bremse

Die Bremsanlage bestand aus 4 Scheibenbremsen wobei die vorderen je 2 Bremszangen pro Rad hatte, und ein Bremskraftverstärker der nicht über Unterdruck, sondern mit Druckluft unterstützt wurde. Die Druckluft wurde dabei über den Kompressor für die luftfeerung abgezweigt. Natürlich hatte dann die Bremse Vorrang vor der Luftfederung. Die Feststellbremse war wie bei den späteren Modellen üblich über ein Pedal links zu bedienen und wurde entweder über einen Zug vom Fahrer oder durch Einlegen der Fahrstufe gelöst.

Fahrwerk

Die Lenkung war eine Kugelumlauflenkung mit Sicherheitslenksäule wie man sie von den anderen Modellen kannte, das Lenkrad konnte axial verstellt werden. Die Vorderachse bestand aus einem Fahrschemel und hatte Trapez-Dreiecks-Querlenker. Die Hinterachse war eine Eingelenk-Pendelachse mit Bremsmomentabstützung. Die Federung bestand aus einer sehr aufwendigen Luftfederung. Der Luftkompressor wurde vom Motor angetrieben und versorgte Luftfederung und Bremskraftverstärker mit Druckluft. Für Notfälle waren Gummifedern beigelegt mit denen man dann auch im Notfall das Fahrzeug wegbewegen konnte. Durch einen Zugknopf war es möglich das Niveau des Fahrzeuges anzuheben, z.B. im schlechten Gelände. Die Dämpfer konnten mittels Handrad in der Härte verstellt und angepasst werden. Ermöglicht wurde dieses durch die zusätzliche Hydraulikanlage, die auch Fensterheber uvm. bediente. Trotz der Grösse bzw. des Gewichtes fuhr sich der 600 wie ein Sportwagen und der Zustand der Strassen blieben den Insassen weitestgehend verborgen. Ausgerüstet war der 600 mit Diagonalreifen der Dimension 9.00x15.

Komfortausstattung

Ausgestattet waren die 600 mit sehr vielen Extras und aufwendigen Technikdetails. Die Fensterheber und Trennscheibe, sowie Türzuziehhilfe, Kofferraumdeckelschliessung, Sitzverstellung und Heizungsbetätigung wurden über Öldruck der Hydraulikanalge betätigt. Als elektrische Extras waren lieferbar: Autotelefon, Fernsehgerät, Diktiergerät, Kühlschrank, Gegensprechanlage usw. Es gab alles was man für Geld kaufen konnte.
Die Zentralverriegelung war erstmals pneumatisch und verschloss Türen, Tankklappe und Kofferraumdeckel. Die Heizung hatte einen Wärmetauscher vorne und einen hinten. Fond und Chauffeurabteil hatten getrennte Systeme.

600 mit langen Radstand im Schlosshof von Ludwigsburg

Karosserie

Die 600 waren als Limousine mit kurzem und langem Radstand, als 6-Türer und als Landaulet lieferbar. Als Versuch wurden 2 Coupes gebaut. Die Fahrzeuge waren mit reichlich Chrom verziert. Im Innenraum glänzte mit mehrfach versiegelten Edelhölzern und die Sitze waren aus handgenähten Leder gefertigt. Zur hochwertigen Ausstattung gehörten Bodenteppiche aus Velour, Boucleauslage im Kofferraum und Spanngardinen. 4 Zigarrettenanzünder und 13 Innenraumleuchten, die verzögert ausgeschaltet wurden, sorgten für zusätzlichen Luxus.

 

600 als Landaulet (Papstwagen)

Schlussatz

Der 600 bot einiges für seine Besitzer und war eine imposante Erscheinung. Die damals neu verbaute Technik hielt nach und nach Einzug in die anderen Serien. Wer sich auf ein Abenteuer mit dem 600 einlassen möchte, sollte über ein sehr gut gefüllten Geldbeutel verfügen und/oder automobiltechnische Kenntnisse besitzen. In den normalen Vertragswerkstätten werden sich nur noch wenige finden die dieses Auto kennen, geschweige denn reparieren können. In diesen Fall ist man immer gut beraten eine Werkstatt zu suchen, die sich auf dieses Auto spezialisiert hat. Auch wenn es einige Kilometer zu fahren gilt. Denn letzten Endes spart man dadurch Geld und es geht um die Sicherheit aller.