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30 Jahre MBIG 1980-2010

Vor 30 Jahren wurde die MBIG in Bonn, unserer damaligen Bundeshauptstadt, gegründet. Zunächst als IG Ponton, da sich die Gründung um diese Karosserieform mit 4 und lieber noch 6 Zylindern drehte.

Und um diese Ponton-Modelle, die zur MBIG-Gründung mal eben zwischen 18 und 27 Jahre alt waren, sammelten sich junge Menschen. Dies, um sich in technischen Fragen zu unterstützen, gegenseitig Hilfestellung bei der Erhaltung der Gebrauchtwagen zu geben und Freude und Spaß an der Eleganz, dem Komfort und den technischen Schmankerln zu haben.

Natürlich war dies auch eine Möglichkeit günstig ein großes Auto zu fahren, wo Freunde, Kollegen und Kommilitonen sich mit R 4’s, Käfern und Enten herumschlugen. Vereinsgründungen entsprachen per se schon der Mentalität unserer deutschen Kultur. Hinzu kam, dass eine wesentliche Veranlassung zur Gründung eines eigenen Clubs  die Tatsache war, dass arrivierte Oldtimerclubs die Aufnahme eines Mitgliedes mit einem Mercedes-Benz Pontonmodell mit der Begründung ablehnten, diese Baureihen wären den Neufahrzeugen zuzuordnen.

Dieses Thema stellte sich im Laufe der Zeit – immerhin drei Dekaden – immer wieder: die Heckflosse wurde zum Oldtimer, die erste eigenständige Oberklasse („Alte S-Klasse“) folgte und so mutierten ständig heute noch im Straßenbild präsente Mercedes zu Young- und dann Oldtimern. Die Vielfalt der Baureihen, die man von Mercedes-Benz Classic zur Betreuung unserem Club anvertraute, machte die Namensänderung in Mercedes-Benz Interessengemeinschaft e.V. erforderlich. Mit der Vielzahl der Baureihen wuchs auch deren Verbreitung bei unseren Mitgliedern, wobei der Schwerpunkt nach wie vor der kleine oder große Ponton, der Schmal-, Hoch- oder Breitkühler blieb, ergänzt oft genug durch jüngere Baureihen, die das Garagenszenario der MBIG’ler ergänzten. So hatte sich auch die Formulierung herausgebildet:  Modelle, die unsere Mitglieder fahren. Was unsere Mitglieder fahren, wollen wir auch technisch betreuen können.

In diesen 30 Jahren hatte sich ein Paradigmenwechsel in der technischen Betreuung eingestellt. Die artgerechte Versorgung eines 6-Zylinders, gar mit Hydrak oder einer 300er Flosse mit Luftfederung und Aluminiummotor stellte die Belegschaft der gängigen Vertragswerkstätten oder Niederlassungen vor technische Herausforderungen. Selbst wenn der Altmeister noch einen Schmierplan ausgraben konnte, ertönte recht bald der Ruf nach der Fettpresse. Das technische Know-how war von den Herstellern aus verschiedenen Gründen zu Spezialwerkstätten, Restauratoren und den Markenclubs gewechselt. Fehlten zum einen die geschulten Fachmechaniker, die aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung standen, machten die Vorgaben einer wirtschaftlichen Werkstattorganisation die Arbeit an einem Oldtimer nicht lukrativ genug, dass man sich diese Autos auf den Gruben und den Bühnen wünschte. Durchaus verständlich, doch auch Ursache für die grundlegende Veränderung der Situation in der kompetenten Betreuung  dieser Fahrzeuge. Eine Beobachtung, die sich in der Ersatzteilversorgung fortsetzte.

Gerade der letztgenannte Aspekt wird sich verstärken, die Versorgung mit Verschleiß- und Ersatzteilen, die die sichere Nutzung der Oldtimer auf den Straßen unseres Landes zulässt. Haben sich in den 30 Jahren bereits erste Strukturen in Form von Typreferenten, Restauratoren und Ersatzteilnachfertiger entwickelt, wird dies in Zukunft eine Herausforderung für unseren Club sein, die Fahrzeuge unserer Mitglieder auch weiterhin fahrbereit zu halten.

Dreißig Jahre Vereinsarbeit liegen hinter der Gründung der IG Ponton. Diese drei Dekaden haben sich in Veränderungen in der Gesellschaft, den technischen Entwicklungen und in uns Menschen niedergeschlagen. 1980 wurde Ronald Reagan, ein abgehalfterter Westernheld zum Präsidenten eines der mächtigsten Staaten gewählt. John Lennon wurde in diesem vor seinem Haus in New York erschossen. Begebenheiten, die das Jahr 1980 prägten, doch auch technische Entwicklungen machten Furore: Die Produktion der S-Klasse W 116 wird nach 473.053 Fahrzeugen eingestellt und das Anti-Blockier-System ABS ist für alle Pkw-Typen des Verkaufsprogramms von Mercedes-Benz lieferbar. Das Ende der offiziellen Werksbeteiligung an Rallyeveranstaltungen wurde durch den Doppelsieg von Waldegaard und Recalde auf der Bandama-Rallye besiegelt.

Wir alle – zumindest die meisten -  sind in diesen 30 Jahren reifer geworden, haben an Erfahrungen in allen Lebensbereichen gewonnen und erfreuen uns eines großen Bekannten- und Freundeskreises. Viele Mitglieder haben sich den Schraubenschlüssel über die Motorhaube gereicht und die Hände zu einer langen Freundschaft. Dies macht die MBIG aus und dies wollen wir auch gerne weiter tragen.

 

Peter Formhals